Skip to content. Skip to navigation
from Leonardo to Laptop
Have Learning Fundamentals Really Changed?
Pedagogy? - Technology? - Standards?
Leonardo da Vinci

Language  
Sections
Personal tools
You are here: Home

Requirements of a didactic of E-Learning in further training (in German)

Anforderungen an eine Didaktik des E-Learning in der betrieblichen Bildung

Autor:

Eckart Severing

Erschienen in:

Peter Dehnbostel et al.: Perspektiven moderner Berufsbildung. Bielefeld 2003 (Bertelsmann)

ISBN 3-472-04469-1

 

Die Entwicklungen des E-Learning waren in den Startjahren allerorten gekennzeichnet durch  die Begeisterung für Rationalisierungspotenziale angesichts steigender Bildungskosten und eine große Technik-Euphorie. Höhere Lerneffizienz und damit Kostenvorteile, eine Beschleunigung der Wissensvermittlung, bessere Behaltensleistungen und eine höhere Motivation der Teilnehmenden, erweiterte Möglichkeiten von Standardisierungen, einfache, große Lerngruppen umfassende Qualitätskontrollen u.a.m. wurden von den neuen Lernmedien vor allem in der beruflichen und betrieblichen Bildung erwartet. Die neuen Anforderungen an Bildungsprozesse, die immer schnelleren Innovations- und Produktzyklen mit kürzeren Qualifizierungszyklen zu beantworten, waren mit den klassischen Instrumentarien von Weiterbildungsseminaren nicht mehr zu bewältigen. Noch vor einigen Jahren wurde daher auch von zurückhaltenden Marktforschern und –forscherinnen eine rasante Ausweitung des Marktes für elektronische Lernmedien prognostiziert. Angesichts dieser Euphorie muss es erstaunen, wie weit die Nutzung von E-Learning hinter den Erwartungen und Prognosen zurückgeblieben ist.

 

Diese Enttäuschung ist vor allem auf die frühen didaktischen Konzepte zurückzuführen, mittels derer die neuen Lernmedien ihre viel versprechenden Wirkungen entfalten sollten. Die Vermarktungs- und Vermittlungsperspektiven von Medienproduzierenden, Bildungsträgern, Hochschulen, Schulen und betrieblichen Bildungsabteilungen führten vor allem dazu, dass die neuen Medien für netzgestütztes und multimediales Lernen regelmäßig aus der Perspektive und den Interessen ihrer Anbieter betrachtet wurden. In ihrer Optik stellen sich neue Lernmedien als Transportmittel von Lehrbuch- und Dozentenwissen und als Medien der technischen – zeitlichen, räumlichen und organisatorischen – Flexibilisierung und Rationalisierung von Bildungs- und Weiterbildungsprozessen dar. Stets wurde vom Produkt aus gedacht, das auf dem Markt platziert werden soll – kaum aber von den Entwicklungsproblemen vollends neuer Lehr- und Lernszenarien aus, die sich in der Bildungspraxis stellen. Traditionelle Lehr- und Lernformen wurden auf digitale Medien übertragen. Der durch den Einsatz von E-Learning grundlegend veränderte Lernkontext wurde weitgehend ausgeblendet. Die neue „Vereinsamung“ des Einzellerners bzw. der Einzellernerin, die damit zugleich geforderte neuartige Selbstbestimmung und Selbststeuerung von Lernprozessen, die neuen Kommunikationsformen, die damit einhergehenden neuen Rollen von Lernenden wie Lehrenden bestimmen die neuen Lernszenarien im E-Learning ebenso wie die zunehmende Integration des Lernens in die Arbeit. Der Begriff des „Lernarrangements“ erhält einen vollends neuen Inhalt und Kontext.  

 

Dass „Blended Learning“ in den letzten Jahren zum allgegenwärtigen Schlagwort der E-Learning-Szene avancieren konnte, scheint – so der Autor – zu indizieren, dass die E-Learning-Anbietenden ihre Produkte inzwischen nicht mehr als das Wundermittel für die Bildungsprobleme der Wissensgesellschaft erachten. Der Begriff Blended Learning solle hybride Lernformen kennzeichnen, in der E-Learning sich in ein Ensemble von Lehr-Lern-Mitteln einfügt, das eindeutige Stärken – die zumeist im kognitiven Bereich gesehen werden –, aber ebenso eingestandenermaßen auch Schwächen – gemeinhin dem Bereich der Softskills und der kommunikativen Kompetenzen zugeordnet – habe. Das bedeute in der Bildungspraxis in der Regel: Die kognitiven Lernanteile werden via E-Learning vermittelt – also strukturell kaum anders als im klassischen Lehrbuch –, dies jedoch verknüpft mit einem Effizienzversprechen, das sich auf die Multimedialität der Produkte und das dadurch ermöglichte „mehrkanalige“ Lernen stützt. Verhaltensbezogene Lernanteile bleiben dem klassischen Präsenztraining vorbehalten. Im Wesentlichen finde also eine Kombination tradierter Lernformen mit ihrer elektronischen Nachbildung statt.

 

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass didaktische Innovationen sich nicht durch die Kombination zweier „Auslaufmodelle – der klassischen seminaristischen Unterweisung und der behavioristischen Lernmaschine – realisieren (lassen). Daher führt die aktuelle Diskussion über Blended Learning nicht zu angemessenen didaktischen Konzepten...“. Erst kompetenzanalytisch aussagefähige Theorien könnten die Grundlagen für die Gestaltung der neuen Lernszenarien und –arrangements des E-Learning oder Blended Learning liefern. Sie erschließen sich  aber erst einer Betrachtungsweise, die die kombinierten Medien auf ihren Beitrag zu Kompetenzentwicklungsprozessen befragt, in deren Kontext sie zum Einsatz kommen. 

 

Am Beispiel des arbeitsintegrierten informellen Lernens in der betrieblichen Weiterbildung zeigt Severing, dass eine Didaktik des E-Learning nicht erst bei Gestaltungsfragen von Lernprogrammen ansetzen kann. Er stellt die Lernumgebung, in der E-Learning zum Einsatz kommen soll, und den Lernkontext – hier also den Arbeitsprozess – in den Mittelpunkt und wählt für das arbeitsintegrierte Lernen einen auf die jeweiligen Arbeitsanforderungen bezogenen Zugang. Ausgangspunkt der didaktischen Überlegungen, der Medienentwicklung und der Gestaltung von Lernarrangements sind damit nicht mehr die Medien und die ihnen zugeschriebenen Potenziale, sondern das jeweils zu lösende Problem in der Arbeit, die Arbeitsaufgabe selbst. Damit stehen gemeinsame Problemlösungen und nicht die Vermittlung von Verfügungswissen im Vordergrund. Theoretischer Bezugsrahmen für den Autor ist das „aufgabenbezogenen Lernen“ nach Gerhart Zimmer. 

 

Die didaktischen Prämissen für arbeitsintegriertes Lernen nach Severing lauten:

 

1.      E-Learning muss problemorientiertes Lernen ermöglichen. Lernsysteme dürfen daher nicht nur eine Stoffsystematik  in modularem Aufbau abbilden. Sie müssen Links beinhalten, die eine schnelle Kombination von Lernelementen zulassen, eine optionale Tiefenstaffelung des Stoffes und Navigationssysteme entlang von Leitfragen, Fallbeispielen und Checklisten bieten.

2.      Lernen in Arbeitsprozessen ist nicht als isoliertes autodidaktisches Lernen zu erfassen. Es vollzieht sich in kooperativen Bezügen entlang der Arbeitszusammenhänge der Lernenden. Lernarrangements und -programme müssen daher grundsätzlich interaktiv sein, über kommunikative Schnittstellen eingebettet sein in den betrieblichen Informationsfluss. Das erfordert die flankierende Begleitung durch betriebliche Experten und Expertinnen als Teletutoren/Tutorinnen und Lernberater/Lernberaterinnen oder die Einbindung von Kommunikationsoptionen in den Lernprogrammen. Diese Form des kooperativen, interaktiven problemorientierten Lernens kann erweitert werden bis hin  zu virtual communities, die im fachlichen Austausch via Internet oder Intranet mittels Newsgroups oder Chats stehen.

3.      Lernanlässe und Lernnotwendigkeiten wissensbasierter Arbeit unterliegen einem ständigen Wandel. Der einfachen Adaptierbarkeit der Lernmedien kommt daher entscheidende Bedeutung zu. Das kann bedeuten, dass Dokumente, Bilder, Zeichnungen aus dem betrieblichen Umfeld in die Programme aufgenommen werden; das kann bedeuten, dass die Lernenden ihre Wege der Lösung bestimmter Probleme in den Programmen verfügbar machen; das kann bedeuten, in einer Art Fernwartung durch Programmautoren bzw. Autorinnen Anpassungen in den inhaltlichen, didaktischen oder technikbasierten Elementen des Lernsystems vorzunehmen.

4.      E-Learning muss ohne Medienwechsel möglich sein, Lernsysteme und betriebliche Anwendungssysteme sollten nicht voneinander geschieden sein (z.B. Lernen über Lernplattformen, die von den betrieblichen Anwendungsprogrammen und Datenbanken getrennt sind.)

 

Severing beschreibt diese Leitlinien seiner Didaktik des E-Learning am Beispiel der betrieblichen Bildung, die insgesamt auf eine Öffnung von Lernprogrammen hinauslaufen, und zeigt exemplarisch Umsetzungsbeispiele für pädagogische Designs und technische Lösungen auf.

 

Unter

 

http://www.f-bb.de/fbb/detailsuche2.php?l=&realm=&we_lv_search_0=E-Learning&we_from_search_0=1

 

findet sich eine Literatur-Liste mit weiteren Veröffentlichungen zum Thema E-Learning des Forschungsinstituts Berufliche Bildung (fbb), das unter der Leitung von Eckart Severing steht.


Powered by Plone, the Open Source Content Management System

This site conforms to the following standards: